Am 13. Jänner tagte zum zweiten Mal der Umweltausschuss, bei dem die Forderungen des Klimavolksbegehrens (KVB) besprochen wurden. Alle Expert*innen waren sich einig, dass die Regierung schnell handeln müsse und es ein ganzes Maßnahmenpaket für den Klimaschutz brauche, um die Mobilitäts- und Energiewende sowie auch die Klimaneutralität 2040 zu schaffen. Als Maßnahmen fordert das KVB unter anderem eine wissenschaftlich fundierte CO2Bepreisung, das Aus für klimaschädliche Subventionen, eine ökosoziale Steuerreform und ein verbindliches CO2Budget, das von einer höheren Instanz geprüft wird. Die Debatte, so alle Beteiligten, verlief äußerst konstruktiv und respektvoll. Zwei Monate später wurde am 9. März ein Mehrparteienantrag mit den Stimmen von ÖVP, Grünen und NEOS zu den Forderungen des KVB beschlossen. 

Das Klimavolksbegehren hat also wirklich viel erreicht: Unser Klima ist neben Corona wieder Thema. Anders als andere Volksbegehren geht es nicht im Parlament unter, sondern generiert öffentliche Aufmerksamkeit. Vor und nach den Sitzungen brachten viele Medien Berichte über die Klimakrise und die Notwendigkeit von Klimaschutz. Die Parteien sahen sich gezwungen, sich öffentlich zu Klimaschutz zu bekennen: “Das Klimavolksbegehren hat es geschafft, mutige Klimapolitik über alle Parteien hinweg außer Streit zu stellen”, so Katharina Rogenhofer, Sprecherin des KVB. 

Das KVB wurden von 380.590 Menschen unterschrieben. © mlg.mike

Wie haben die Initiator*innen es geschafft, so viele Menschen zu erreichen und politisch Druck aufzubauen? Es ist höchste Zeit, sich die Kommunikationsstrategie des KVB genauer anzuschauen. Hier sind einige Aspekte ihres Erfolgsrezepts:  

Bestehende Netzwerke nutzen

Für effektive Klimakommunikation möchten wir möglichst viele Menschen erreichen und berühren. Doch wie lässt sich dies bei Gruppen außerhalb der Öko-Szene bewerkstelligen? Das KVB arbeitete mit unterschiedlichsten Organisationen zusammen, um seine Reichweite zu vergrößern. Dazu zählten neben den offensichtlichen Umweltschutzorganisationen WWF, Greenpeace und GLOBAL2000 unter anderem auch alle Religionsgemeinschaften in Österreich, Caritas, Diakonie, Rettungsdienste wie das Rote Kreuz und der Samariterbund, der Alpenverein, die Arbeiterkammer, die Ärztekammer, die Volkshilfe und SOS Kinderdorf (alle Organisationen sind hier aufgelistet). Gemeinsam wurden Klima-Veranstaltungen organisiert, die Organisationen riefen dazu auf, das KVB zu unterschreiben, und mahnen nun die Umsetzung seiner Forderungen ein.  

© 2021 Verein Klimavolksbegehren

Ein wesentlicher Vorteil dieser Kooperation war auch, dass die vielen unterschiedlichen Facetten der Klimakrise dargestellt werden konnten. Die Klimakrise ist ja nicht nur ein Umweltproblem, sondern bedroht auch unsere Gesellschaft, Gesundheit, Sicherheit und Arbeitsplätze. Das wurde durch die breite Unterstützung für das KVB klar deutlich. 

Menschen ins Gespräch bringen 

Auch wenn dies in Zeiten von Dauer-Lockdowns leider schwer umsetzbar istsind freundliche Gespräche und Gesprächsgruppen eine höchsteffektive Methode, um Menschen zum Klimaschutz zu motivieren. Warum? Im Gespräch bekommen wir die Gelegenheit, uns damit auseinanderzusetzen, was die Klimakrise eigentlich für uns selber bedeutet. Wir erleben, dass wir mit unseren Ängsten und Sorgen nicht allein sind und dass es viele andere Menschen und Initiativen gibt, die sich für Klimaschutz einsetzen. Das kann sehr ermutigend sein. Eine 2019 veröffentliche Studie etwa kam zu dem Schluss, dass Gespräche über die Klimakrise im Freundes- und Familienkreis zu einer höheren Akzeptanz der Klimawissenschaft und persönlicher Betroffenheit gegenüber der Klimakrise führen kann.  

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Das KVB organisierte Klimastammtische und auch Kongresse, bei denen Lösungen gegen die Klimakrise diskutiert wurden. Diese Lösungen waren zuvor im Internet gesammelt worden, und alle waren eingeladen etwas beizutragen. Außerdem führten die Initiator*innen Gespräche mit den Umweltsprecher*innen aller Parteien.

Dank eines Kongresses des KVB kam auch ich zum Klimaaktivismus. Ich konnte mich vernetzen und der Austausch mit Gleichgesinnten ermutigte mich, mich für den Klimaschutz einzusetzen.

Weiterführende Links: Das einfachste Mittel gegen den Klimawandel: Im Freundes- und Familienkreis darüber reden

Persönliche Geschichten über die Klimakrise erzählen 

Research shows that showing people research doesn’t work. Die letzten Jahrzehnte haben es gezeigt: Mehr Informationen über die Klimakrise führen nicht automatisch zu Handlungen, die dem Ausmaß der Bedrohung gerecht werden. Wir Menschen sind einfach viel zu geschickt darin, unser Wissen um die Klimakrise aktiv zu verdrängen. Wenn wir mit abstrakten Zahlen und Daten wie CO2Werten konfrontiert werden, sehen wir keinen Bezug zu unserem Leben; wenn wir über schmelzende Pole, verhungernde Eisbären und Waldbrände in Australien, Kalifornien und Brasilien lesen, ist die Klimakrise geografisch weit von uns entfernt; und auch das Jahr 2100 liegt noch zu fern in der Zukunft, als dass sich die meisten von uns betroffen fühlen.

© Ines Futterknecht

Was uns aber bewegt, sind persönliche Geschichten. So belegte zum Beispiel eine 2020 veröffentlichte Studie, dass persönliche Geschichten, in denen Menschen erzählen, wie die Klimakrise sie betrifft, Sorgen und Mitgefühl hervorrufen – und das nicht nur innerhalb der grünen Blase. Das KVB tat genau das und lud Menschen ein, in kurzen Videos zu erzählen, wie sie die Auswirkungen der Klimakrise in ihrem eigenen Leben spüren. Gemeldet haben sich nicht nur Betroffene aus der Land- und Forstwirtschaft, sondern auch Bergführer, Surfschulbetreiber, Priester und Pensionist*innen. Die gesammelten Werke können auf Voices of climate change angeschaut werden.

© 2021 Verein Klimavolksbegehren

Weiterführende Links: Facts don’t change our minds, we need a new approach to communicating climate change, When facts fail to convince storytelling may do the trick 

Unterschiedliche Botschafter*innen sprechen lassen

Ob einer Botschaft Glauben geschenkt wird, hängt stark davon ab, wie sehr man der Botschafter*in vertraut. Dieses Vertrauen hängt wiederum damit zusammen, ob wir die gleichen Werte wie diese Botschafter*in vertreten und uns den gleichen Gruppen zugehörig fühlen. Im Fall der Klimakrise führte dies dazu, dass sich konservative Gruppen lange Zeit nicht von Klimabotschaften angesprochen fühlten, da Klimaschutz als “linkes” Thema verstanden wurde. Dabei sind auch konservative Werte, wie zum Beispiel Sicherheit und Tradition, eindeutig mit Klimaschutz vereinbarEs geht ja darum, dass wir unsere Landschaften und damit auch unsere kulturelle Identität bewahren wollen. Klimaschutz ist eine wichtige Garantie für Sicherheit in unserem Land.  

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Um möglichst viele Menschen zu erreichen, ließ das KVB viele unterschiedliche Botschafter*innen sprechen. Dazu zählten die bereits erwähnten Voices of Climate changeviele berühmte Persönlichkeitendie das KVB unterstützten, sowie auch Organisationen und Firmen, die auf Menschen außerhalb der grünen Blase Einfluss haben. 

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Die Kommunikationsstrategie dem Zielpublikum und Kommunikationsziel anpassen 

Dazu gehört auch, dass das Zielpublikum davor definiert wird: Sind es Journalist*innen, die über das KVB vermehrt berichten, Politiker*innen, die die Forderungen des KVB umsetzen, oder die Österreicher*innen, die das KVB unterschreiben sollen? Je nach Publikum und Ziel muss die Kommunikationsstrategie (Botschafter*innen, Kanäle, Narrative) angepasst werden. 

Eine positive Vision und klare Narrative 

Ohne die Gefahr der Klimakrise klein zu reden, präsentiert das KVB eine klare positive Vision, wo wir als Gesellschaft hinwollen: Österreich soll Vorbild im Klimaschutz werdensodass unsere Kinder von uns eine lebenswerte Heimat erben, auf die wir und sie stolz sein können. Um dies zu erreichen, muss der Staat die Rahmenbedingungen schaffen, die es uns erlauben, klimafreundlich zu leben. Die Lösungen liegen bereits am Tisch, und es wäre fahrlässig, diese nicht umzusetzen.

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Im Narrativ des KVB hat die Coronakrise uns zum Beispiel vor Augen geführt, wie vulnerabel unsere Gesellschaft angesichts einer globalen Krise ist. Gleichzeitig konnten wir spüren, dass die Politik die Wissenschaft ernst nimmt. Während uns die Pandemie weitgehend unvorbereitet getroffen hat, ist sich die Wissenschaft schon lange über die Gefahr, die von der Klimakrise ausgeht, einig. Nichtstun ist teuer. Die gute Nachricht ist, dass nicht nur die Gefahr, sondern auch die Lösungen schon bekannt sind und wir nun die einmalige Gelegenheit haben, diese zu ergreifen: Gerade jetzt wird unglaublich viel Steuergeld in die Hand genommen, um unserer Wirtschaft in der coronabedingten Wirtschaftskrise einen Neustart zu verschaffen. Warum also nicht gleich zwei Krisen adressieren?  

Diese, und andere Kernbotschaften wurde in vielen Interviews, Plakaten und Artikeln klar hinübergebracht 

Gute Plakate

© 2021 Verein Klimavolksbegehren

Die Plakate des KVB berücksichtigten viele Empfehlungen, wie die Klimakrise visualisiert werden kann: Sie zeigten uns unter anderem Menschen und Landschaften, die wir vor der Klimakrise schützen wollen. Auf einem Plakat war eine junge Hand zu sehen, die ein Pflänzchen der Hoffnung setzt. Solche Bilder appellieren an unsere intrinsischen Werte; Klimaschutz, so die Botschaft, ist eine Frage der Menschlichkeit, der Solidarität, und der Liebe für unsere Mitmenschen und die Landschaften, in denen wir aufgewachsen sind. Vom Klimavolksbegehren kommt auch mein Lieblingsplakat für den Klimaschutz:

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Mitreißende Reden

Die Initiator*innen haben auch tolle Reden gehalten, die die oben beschriebenen Tipps berücksichtigen. Hier gibt es das Abschlussplädoyer von Katharina Rogenhofer im Umweltausschuss zum Nachschauen.

Was nehmen wir mit?

So zeigt uns das KVB eindrücklich, was mit den passenden Mitteln und Kommunikationsstrategien zu erreichen ist. Vielleicht können wir die eine oder andere auch in unserem Alltag oder in privaten Gesprächen über die Klimathematik anwenden und erfolgreich einsetzen.